Jugendrechte: Wo willst du mitreden?

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Am 6. Mai 2021 wurden umfassende Beteiligungsrechte von Kindern in die Bremischen Landesverfassung aufgenommen.

Bremen misst den Belangen der Kinder und Jugendlichen also eine hohe Bedeutung bei. Aber: Wisst ihr überhaupt von euren Rechten?

Wo wollt ihr als Jugendliche beteiligt werden? Und was beschäftigt euch in Bremen gerade?

Die Ergebnisse einer Umfrage liefert nun einige Antworten auf diese Fragen. 1001 Schüler*innen aus 33 Schulen und 10 Stadtteilen haben im Sommer 2022 über it’s learning ihre Meinung zum Thema „Jugendrechte“ mitgeteilt. 

Die Ergebnisse kurz zusammengefasst: Kinder und Jugendliche fühlen sich von Erwachsenen oft nicht ernstgenommen, wollen aber über Bereiche, die sie betreffen mitentscheiden. Zum Beispiel bei Themen wie Schule, psychische Gesundheit und Corona-Pandemie, Freizeit und der eigene Stadtteil sowie Klimaschutz und Umwelt. 

Folgend stellen wir die Ergebnisse im Einzelnen vor, eine visualisierte Zusammenfassung kann hier heruntergeladen werden.

 

Die Ergebnisse

 

Hast du von der Änderung der Bremer Landesverfassung gehört? 

Nur 6% der befragten Jugendlichen haben von der Änderung der Landesverfassung gehört. 71,4% wussten davon nichts und 22,6% waren sich nicht sicher. Die Information über die Stärkung ihrer Beteiligungsrechte ist also nur bei sehr wenigen Jugendlichen angekommen.  

 

Wie wichtig ist es dir, beteiligt zu werden? 

Die Top-Antwort auf diese Frage war: "Ich möchte auf jeden Fall mitentscheiden". 41,3% der befragten Jugendlichen haben sich für diese Option entschieden. 17,3% möchten zumindest in der Phase der Ideensammlung beteilgt werden.

8,4% der Befragten vertrauen auf Erwachsene und denken, dass "die das schon machen", während sich 31% für die Antwort „Ist mir egal/Das weiß ich nicht…“ entschieden.

Ein beachtlicher Teil der Jugendlichen zeigte also großes Interesse daran, direkt mitzuentscheiden. Und ein weiterer Teil möchte zumindest bei einigen Angeboten ihre Meinung äußern können. 

 

Mir ist es wichtig, dass ich mitentscheide bei … 

Bei welchen Themen konkret wollen Jugendliche beteiligt werden? Auf Platz 1 bei der Wichtigkeit der Themen steht mit 81,8% die Mitsprache bei den Unterrichtsinhalten in der Schule. 75,1% der Jugendlichen möchten bei der Renovierung der Schultoiletten mitsprechen. Besonders die Schule als ein zentraler öffentlicher Lebensraum junger Menschen ist also ein Ort, an dem Schüler*innen mitentscheiden wollen und dementsprechend wohl auch großen Veränderungsbedarf sehen. 

Mehr als die Hälfte der Befragten (63,3%) finden es wichtig, bezüglich des Umgangs mit Corona mitzuentscheiden. Auch Klimaschutz und Müllvermeidung liegt vielen Jugendlichen am Herzen: 61,1% wünschen sich hier mehr Mitspracherecht.

59,7% der befragten Schüler*innen möchten mitentscheiden, für was in Bremen wieviel Geld ausgegeben wird. 53,9% wünschen sich mehr Einfluss bei der Frage, wo Freizeiteinrichtungen vorhanden sein sollten und welches Angebot dort vorgehalten wird. Über die Hälfte der Jugendlichen (51,7%) möchten gerne bei der Neugestaltung der Stadt mitentscheiden.

 

Hast du Zeit dich zu beteiligen? 

Beteiligung schön und gut, aber man muss ja auch Zeit dafür haben.

Fast 40% der Jugendlichen haben zwar generell Interesse sich zu engagieren, sind aber mit Hobby/Sport/Schule bereits voll ausgelastet. Fast ein Drittel der Jugendlichen würden sich beteiligen, wenn es im Rahmen der Schulzeit möglich wäre.

Spannend ist, dass fast 26% der Jugendlichen angeben, dass sie gar nicht wissen, wo sie sich beteiligen können. Hier sollten sich bereits bestehende und auch neue Beteiligungsprojekte Gedanken machen, wie Jugendliche besser erreicht werden können.

Fast 20% der Jugendlichen geben aber auch an, dass sie kein Interesse haben, sich zu beteiligen.  

 

Gibt es noch etwas, was du sagen willst? 

Der Fragebogen endete mit einer offenen Frage, bei die die Jugendlichen frei schreiben konnten, was ihnen noch am Herzen liegt.

Bei der Auswertung wurde die Antworten in Kategorien eingeordnet.

Viele Angaben bezogen sich auf den Ort Schule. Hier zwei Beispiele:

  • Die Schultoiletten sind eine Katastrophe (16 Jahre)
  •  Das Schulische System ist veraltet und sollte modernisiert werden, da wir uns alle weiterbilden und alte Methoden nicht effektiv sind

Darüber hinaus gab es grundlegende Aussagen zu Beteiligung. So wurde z.B. geäußert, dass für mehr Beteiligung erst einmal Muster durchbrochen werden müssten.

 

Und was heißt das jetzt?

Mit der Änderung des Gesetzes hat Bremen zwar ein gutes Zeichen gesetzt, aber das allein reicht nicht aus. Für eine Stärkung der Beteiligung von Jugendlichen braucht es viel mehr: Nämlich ein echtes Ernstnehmen der Bedürfnisse von Jugendlichen, mehr Möglichkeiten und eine bessere Information.

Als ersten Schritt auf den Weg dorthin, werden die Ergebnisse der Umfrage für die Politik in Bremen aufbereitet und an die Ressorts weitergeleitet. Da bei Jugendlichen vor allem im Bereich Schule das Bedürfnis nach Mitspracherechten groß ist, werden die Ergebnisse an geeignete Stelle weitergeleitet.  

 


Die Umfrage wurde durchgeführt von der Senatskanzlei Bremen, der Jugendbildungsstätte LidiceHaus und dem Kinderschutzbund Bremen.